Dritter Teil: Die Botschaft Des Gottesreiches

Nachdem bisher von der Lehre Jesu hinsichtlich der Verbreitung der Charta des Gottesreiches (Matthäus 3-7) die Rede war, offenbart Jesus nun die Macht Gottes in außerordentlichen, konkreten Handlungen und offenbart so Schritt für Schritt seine messianische Identität. Diese Handlungen sind Heilungen und Aufforderungen an einige seiner Jünger, mit denen er «die Zwölf» auf eine erste Mission (Matthäus 10) innerhalb des Territoriums Israels vorbereitet. Durch diese Mission und durch die Gegenwart des Meisters unter ihnen bereiten sie sich auf eine weltumfassende Mission vor, die sie nach der Auferstehung unternehmen werden (Matthäus 28,19).

Bisher sind wir mit der messianischen Identität Jesu bekannt gemacht worden und zwar durch das Kindheitsevangelium, durch die Predigt Johannes des Täufers und durch die Bergpredigt Jesu. Nun vervollständigen wir unsere Entdeckung dieser Identität in der Erfahrung des immer wieder überraschenden Handelns Jesu. Das Matthäusevangelium präsentiert seinen christlich-jüdischen Lesern ein Bild von Jesus, das nicht so recht ihren Erwartungen entspricht. In der Tat, Jesus erscheint als der Messias, der seine Macht in majestätischen Worten und Werken manifestiert, und der doch gleichzeitig derjenige, der keinen Ort hat, wo er sein Haupt hinlegen kann (Matthäus 8,20). Er ist der Messias, der mit seiner Autorität die Menschen in seine Nachfolge ruft, aber der zugleich barmherzig mit den Sündern (Matthäus 9,13) umgeht. Er ist der Messias, der seine Jünger zunächst zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel sendet, der sie aber gleichzeitig vor den Verfolgungen warnt, denen sie in den Synagogen ausgesetzt sein werden (Matthäus 10,6.17). Auf diese Weise offenbart Jesus seinen Jüngern während seines irdischen Lebens, dass die Verkündigung der Frohen Botschaft für sie ein Muss ist: Es genügt nicht, dass sie die Lehren und die Gesetze des Reiches Gottes hören (Matthäus 5-7), nein, sie müssen sich aktiv im Predigen und im Bekennen ihres Glaubens engagieren, selbst wenn dies die Trennung von ihren Familien bedeutet (Matthäus 10,37). Wer die Jünger Christi aufnimmt, der nimmt in Wirklichkeit Christus selber auf (Matthäus 10,40).

Das Lesen der drei Kapitel Matthäus 8-10, die von der Verkündigung des Gottesreiches sprechen, ist sehr wichtig. Diese Kapitel sind klar in zwei Teile aufgeteilt: einen erzählenden Teil (Matthäus 8-9) und eine Rede (Matthäus 10); um die Rede vorzubereiten, wird sie durch sorgfältig ausgewählte Taten vorbereitet.

So wie Jesus die Kranken geheilt hat (Matthäus 8-9), haben auch die Jünger die Pflicht, die heilbringende Macht Gottes jedem Menschen, der unter der Last der Probleme und Krankheiten dieses Lebens leidet und von ihnen erdrückt wird, zu verkünden.

Wir haben nicht genügend Zeit, um gemeinsam alle Texte dieser drei Kapitel zu lesen. Wir sollten sie zu Hause weiter lesen. Wir haben hier bewusst die Themen zu Erklärung ausgewählt, die von besonderem Interesse für die Katechumenen sind. Wir werden das Thema des Glaubens durch den Blick auf den Glauben des heidnischen Hauptmanns betrachten. Von dessen Glauben sagt Jesus, er habe in Israel einen solchen Glauben noch bei niemandem gefunden (Matthäus 8,10). Es ist uns auch wichtig, von der Kirche zu sprechen, die sich zusammensetzt aus rechtschaffenen Menschen und anderen, bekehrten Sündern, wie Matthäus, dem Zöllner, den Jesus in seine Nachfolge gerufen hat (Matthäus 9,9). Und wenn wir zur Aussendungsrede Jesu (Matthäus 10) gelangen, werden wir vom Sakrament der Firmung sprechen, dem Sakrament des Zeugnisses und des Martyriums. So werden wir eine Auswahl von Texten des Evangeliums und theologischen Lehren präsentieren, die für die Taufbewerber auf ihrem neuen Glaubensweg von besonderem Nutzen sind. Dabei wissen die Taufbewerber, dass sie aufgerufen sind, die anderen Texte zu Hause zu lesen. Stets bitten wir Christus, dass er ihre Schritte lenke auf dem Weg der Verkündigung des Gottesreiches, als wahre und neue Jünger und Jüngerinnen Christi.