Kapitel 23: Der Zollpächter Zachäus

Hinführung
Lesung und Erläuterung des Evangeliums
Theologische und geistliche Lehre
Zum Lesen und Meditieren

1- Hinführung

Die Sakramente der Einweihung in das christliche Leben, m. a. W. der christlichen Initiation: Taufe, Firmung und Eucharistie, verleihen dem Gläubigen das neue Leben in Christus. Aber auf unserem Weg hin zur ewigen Freude sind wir uns durchaus bewusst, dass wir noch mit beiden Füßen auf dieser Erde stehen. Wir sind allen möglichen Arten von Versuchungen ausgesetzt. Wir verlieren nicht selten den Schwung, wir stolpern und wir sündigen. Man kann die Taufe nicht mehrmals empfangen! Christus, der Arzt der Seele und der Leibes, hat gewollt, dass die Kirche sein heilendes und erlösendes Wirken fortsetzt, auch für ihre eigenen Mitglieder. Deshalb leben wir im christlichen Glauben zwei Arten von Buße: eine grundsätzliche Buße am Anfang, die unser ganzes Sein ändert, und eine andere Buße, andauernd gelebt, jeden Tag inmitten unserer Aufgaben und Tätigkeiten. Hast du schon einmal mit tiefem Schmerz die Tatsache bereut, eine böse Tat in deinem Leben getan zu haben? Was verstehst du unter der Sünde? Findest du es wichtig, dass du die Barmherzigkeit Gottes persönlich erfahren hast? Genügt es, dass der Mensch persönlich bereut, ohne den ehrlichen Versuch, seine böse Tat und den Schaden, den sie bei den Verletzten angerichtet hat, soweit möglich, wiedergutzumachen? Diese Fragen werden wir im heutigen Treffen besprechen, im Kontext der Erläuterung des Textes des Evangeliums vom Zollpächter Zachäus sowie der Bedeutung des Sakraments der Versöhnung, der Beichte.

2- Lektüre und Erläuterung des Evangeliums: Der Zollpächter Zachäus (Lukas 19,1-10)

1 Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt. 2 Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. 3 Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. 4 Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.

5 Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. 6 Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. 7 Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. 8 Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.

9 Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. 10 Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

2. 1- Erläuterung

Zunächst beschreibt das Evangelium Zachäus als einen Sünder. Er ist klein von Gestalt und bemüht sich Jesus zu sehen. So lehrt uns Zachäus, dass uns unsre physischen und moralischen Grenzen, welcher Art sie auch immer sein mögen, nicht an der Begegnung mit Jesus hindern können. Ob wir nun unter einer körperlichen Krankheit leiden oder Sünder sind, ja, selbst dann, wenn wir sehr weit vom Glauben entfernt sind, sollten wir wissen, dass uns die Möglichkeit das Heil zu empfangen stets angeboten ist.

Der Angelpunkt des Textes ist «Begegnung» mit Christus (V. 5-6). Diese Begegnung hat den Lebensweg vieler in Jericho, vor allem den Lebensweg des Zachäus und sein Verhalten verändert. Die Begegnung wandelt sich von einem bloßen Aufeinandertreffen in eine freudige Einladung des Zachäus an Jesus, Gast in seinem Haus zu sein. Dies zeigt: Die Gegenwart Jesu ist eine Quelle der Freude. So verstehen wir, dass wir stets die Begegnung mit Jesus suchen sollten, denn er ist der Weg zu Frieden, Freude und Heil.

Der Text lässt Jesus zweimal das Wort «heute» sprechen (V. 5.9). Das zeigt, dass jeder Tag für Christus ein «heute» ist. Heute ist der Tag des Heils, nicht gestern noch morgen. Es nützt nichts, die Bekehrung herauszuschieben, denn «heute» haben wir die Chance des Heils.

Das Evangelium weist zunächst auf die Gruppe derer hin, die sich über Jesus empören (V. 7). Sie kritisieren sein Verhalten, verurteilen Zacharias als Sünder und verurteilen es, dass Jesus bei ihm einkehrt. Dies Verhalten der Kritiker taugt nicht als Beispiel für uns Christen. Das Gebot Jesu lautet: «Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!» (Matthäus 7,1). Es lädt uns ein, nicht schlecht über andere zu denken und sie nicht mit einem Vorurteil zu belegen. Jesus möchte, dass wir den anderen die Möglichkeit einräumen, sich ständig zu erneuern und ein Bild von sich zu geben, das dem Etikett, mit dem wir sie versehen haben, widerspricht.

Dann sehen wir die Werke, die Zachäus vollbringt, um Wiedergutmachung für seine vergangenen Verfehlungen zu erstatten (V. 8). Das «das Vierfache» könnte dem jüdischen Gesetz oder auch einer Vorschrift des römischen Rechts geschuldet sein. Jedenfalls insistiert der Text weniger auf der Einhaltung des Gesetzes als auf der Großzügigkeit des reuigen Zachäus. Wichtig ist, dass unsere Bekehrung Ausdruck findet in konkreten Taten, die hervorgehen aus der Entdeckung der Barmherzigkeit Gottes und ein Beweis für unsere neue innere Ausrichtung auf die Barmherzigkeit Gottes und seiner Nachsicht mit unserer Schwäche sind.

Das Ende des Textes (V. 9-10) spricht vom Menschensohn, der gekommen ist, das zu suchen und retten, was verloren war. Auf diese Weise zeigt Jesus seine große Liebe für die Welt und seinen unerschütterlichen Willen, alle Menschen, einschließlich der Sünder, zur Freude des Heils zu führen. So erscheint Jesus als der Gute Hirt, der seinen Schafen nachgeht, damit sie nicht den Weg verlieren. Wenn wir zu seiner Herde gehören, nährt er uns täglich und begleitet uns ständig mit seinen Segnungen. Wir verlassen seinen Weg nicht mehr, hören seine Stimme, lauschen seinen Worten, und wir leben in ständiger innerer Freude. Nach Jahren dann erlangen wir das ewige Heil.

2. 2- Aktualisierung

Das vorliegende Evangelium vermittelt uns die folgenden geistlichen Lehren: Wir müssen ständig versuchen, Jesus zu begegnen, mittels der Feier des Messopfers, besonders an Sonn- und Feiertagen, und mittels unseres persönlichen Gebets. Denn die persönliche Begegnung mit Jesus ist eine Quelle des Friedens.

Wenn wir durch Sünde gefehlt haben, wollen wir eilen und um Vergebung bitten und den Schaden, soweit wir können, wiedergutmachen. Wahres Beichten verlangt eine Erforschung des Gewissens, Reue, Bekenntnis und Wiedergutmachung. Ferner ist es grundlegend wichtig, es auf jeden Fall zu vermeiden, andere nach äußeren oder rein persönlichen Kriterien zu beurteilen. Es ist angebracht, so weit wie möglich positiv vom anderen zu denken. Das Vertrauen in Gottes Güte und in seine unbegrenzte Vergebung unserer Sünden lädt uns ein, uns ihm als dem treuen Hirten unserer Seelen anzuvertrauen. Er wünscht, dass kein Mensch verloren geht, ja, dass er sich stattdessen sich den Quellen des Heils und ihren Segnungen öffnet.

Statt in unserem Leben egoistisch dem Streben nach Reichtum und Besitz zu verfallen, sollten wir angesichts des vorliegenden Textes des Evangeliums alles tun, um unsere weniger privilegierten Brüder und Schwestern konkret an all dem teilhaben zu lassen, womit Gott uns so reichlich beschenkt hat. Dieser Text des Evangeliums ruft auf zum Teilen zwischen Wohlhabenden und Armen und zu Bekehrung und Wiedergutmachung. Konkret kann genuine Bekehrung Ausdruck finden u. a. in Spenden für karitative Werke, Besuch von Waisen, Kranken, Alten und Schwachen oder auch in jeglicher Form der Unterstützung wohltätiger Gruppen und Werke.

3- Theologische und geistliche Lehre: Sünde und Bekehrung

Das Leben des Menschen gewinnt festen Stand in einer guten Beziehung zu Gott. Wenn er sich von seinem Schöpfer entfernt, entfernt er sich de facto von der Quelle seines Lebens, von dem, was ihn lebendig macht, ihn wachsen lässt und ihm Freude vermittelt. Da die Liebe Gottes keine Grenzen kennt und sich seinen Geschenken an den Menschen nichts in den Weg stellen kann, greift Gott selbst ein, um das gebrochene Herz zu bewegen, damit es nicht in Dunkelheit und Bösem gefangen bleibt, sondern sich stattdessen zur Reue bekehren und sich von neuem Gott gegenüber öffnen kann. In der Bekehrung des Zachäus beobachten wir, wie die Initiative Jesu ihn aufgerüttelt und dazu gebracht hat, über das Böse nachzudenken, das er den Menschen, und folglich Gott selbst, angetan hatte.

Die Sünde ist also das, was mich von Gott entfernt. Sie ist ein Vergehen gegen ihn, so als würde ich ihm sagen: «Ich möchte tun, was mir gefällt, meiner Neigung folgen, selbst wenn dies der Liebe wiederspricht und dein Gebot nicht erfüllt». Das ist es, was mit Adam im Paradies passiert ist. Er hat dem Gebot Gottes widersprochen und der Stimme des Teufels gehorchend ist er seinem Verlangen gefolgt, zu sein wie Gott. Das genau geschieht, wenn ich mich als den Maßstab betrachte, nach dem ich entscheide, was gut und was böse ist, und mich so des Wortes Gottes entledige.

Sünde ist also der willentliche Verrat meiner Beziehung zu Gott, zu den Menschen oder zu mir selbst. Das kann im Denken, in Worten, in Taten, durch Unterlassungen oder auch durch böse Absichten geschehen. So entferne ich mich dann von der Wahrheit, und Finsternis wird mein Herz umgeben und bedecken.

Von mir her gesehen, versperrt die Sünde den Weg zu ihm. Er allerdings bleibt immer ein barmherziger Vater, der seine Kinder niemals dem reißenden Wolf als Beute überlässt. Deshalb versucht er, mich wieder neu mit seiner Wahrheit zu erleuchten. Er bewegt mein Herz durch seinen Heiligen Geist und durch mein Gedächtnis, das nur zu gut weiß: Gott liebt mich. Wenn ich bereue und zu ihm zurückkomme, dann erfahre ich, wie er seine Arme ausbreitet, um mich zu umarmen und mir zu vergeben. Die Reue bedeutet also meine Rückkehr in den Schoß des Vaters. Sie bedeutet, dass ich auf dem Weg umkehre, der mich weit von Gott wegführt. Da niemand sich selbst die Vergebung zusprechen kann, sondern sie als Geschenk empfängt, erscheine ich vor dem Priester, damit er mich von meinen Sünden losspreche.

Wenn ich mich dem Priester vorstelle, um die Sünden zu bekennen, meiner Reue Ausdruck zu verleihen und Gottes Barmherzigkeit zu erbitten, wird er mir dabei helfen, aufs Neue den guten Weg einzuschlagen und mich selbst als Christen wieder aufzurichten, treu und fest entschlossen, nicht zur Sünde zurückzukehren. Ja, wenn ich das Sakrament der Barmherzigkeit empfange, kommt es mir so vor, als werde eine schwere Last von meinen Schultern genommen. Ich werde erfahren, dass die Liebe Gottes größer ist als jegliches Übel, denn Gott selbst kommt, um in mir zu wohnen, und allein ihm gehört der Sieg.

4- Zum Lesen und Meditieren: Text aus den Katechismus der Katholischen Kirche (n. 1434)

Die mannigfaltigen Formen der Buße im christlichen Leben

Die innere Buße des Christen kann in sehr verschiedener Weise Ausdruck finden. Die Schrift und die Väter sprechen hauptsächlich von drei Formen: Fasten, Beten und Almosengeben (vgl. Tobias 12,8; Matthäus 6,1-18) als Äußerungen der Buße gegenüber sich selbst, gegenüber Gott und gegenüber den Mitmenschen. Neben der durchgreifenden Läuterung, die durch die Taufe oder das Martyrium bewirkt wird, nennen sie als Mittel, um Vergebung der Sünden zu erlangen, die Bemühungen, sich mit seinem Nächsten zu versöhnen, die Tränen der Buße, die Sorge um das Heil des Nächsten, die Fürbitte der Heiligen und die tätige Nächstenliebe – «denn die Liebe deckt viele Sünden zu» (1 Petrus 4,8).